Dienstag, 28. September 2010

Unter Freunden

Ich wollte an dieser Stelle noch mal eben loswerden, dass ich mich hier in bester Gesellschaft befinde. Es wimmelt nämlich nur so von Deutschen. Jaaa vielleicht nicht so richtig, aber folgendes Gespräch habe ich so oder so ähnlich schon ein dutzend Mal geführt:

Ami: Hey, where are you from?
Ich: From Germany.
Ami: Cool I am from Germany too!!!
Ich: Really? So you speak German?
Ami: Noooo, I don't.
Ich: But you say you are German...?
Ami: Yeah the oncle of my grandfather was from Germany so I am 1,4563 per cent German!

Gleichzeitig sind die meisten Amerikaner auch noch irisch, französisch oder spanisch, so dass sie eigentlich mit jedem Austauschstudenten gemeinsame Wurzeln feststellen können.

Sonntag, 26. September 2010

Back to school

Asche auf mein Haupt - ich hab tatsächlich seit über drei Wochen nichts gepostet. Höchste Zeit euch mal wieder wissen zu lassen, wie es mir geht.

Erst mal hat nämlich seit drei Wochen der Ernst des Lebens angefangen - das heißt die Uni. Und da ist man wirklich richtig eingespannt. Im Grunde hat man für jedes Fach immer Hausaufgaben auf und/oder Seiten zu lesen. Das sind dann immer so 60 - 80. Da ich überraschenderweise alles verstehen kann, geht das aber ganz gut. Ansonsten fühle ich mich aber wirklich als wäre ich zurück in der Schule. Das liegt zu großen Teilen daran, dass ich einen lächerlich großen Rucksack mit mir rumschleppe, damit ich all meine Bücher (die mich insgesamt 600 Dollar gekostet haben), mein Essen und meinen Laptop mit mir rumtragen kann. Dem Rucksack wird jedenfalls nachgesagt, er sei größer als ich. Zum anderen begründet sich mein Schul-Feeling darin, dass alles von vorne bis hinten geregelt ist - was man lesen und lernen muss, wie gesagt, welche Hausaufgaben und bis wann (und meistens ist es bis übermorgen weil viele Fächer mehrmals die Woche stattfinden) Über meinen Stundenplan beschweren, kann ich mich allerdings nicht, weil ich drei Mal die Woche erst um 2 Uhr nachmittags in der Uni sein muss. Das führt leider zu exsessivem Ausschlafen und egal wie sehr man sich vornimmt, dass man am nächsten Morgen fleißig um 8 aufsteht und Sachen erledigt - am Ende ist es doch immer: "Och noch 10 Minuuuuuuten." Bis ich dann um 11 wirklich aufstehe. Von meinen Kursen bin ich aber wirklich begeistert, so dass ich mich eigentlich, wenn ich dann mal aufgestanden bin, immer auf die Uni freue. Meine Profs von den Journalistikkursen kommen beide aus der Praxis und arbeiten seit 30 Jahren für den Boston Globe und andere Zeitungen. Und wenn dann auch in beiden Kursen weniger als 10 Leute drinsitzen, wird es richtig interaktiv. Da schläft man auch bei 2,5 Stunden am Stück nicht ein. Außerdem hab ich schon außerordentliche Erfolge zu verzeichnen: Dafür, dass ich jetzt die amerikanischen Kommaregeln beherrsche, habe ich letztens mein erstes A abgesahnt. Wenn das so weiter geht, wollen die mich sicher hier behalten. 

So geregelt wie wie es an der Uni zugeht, so verrückt finde ich indes einige andere Angelegenheiten hier. Drei Austauschstundenten haben jetzt zum Beispiel richtig Ärger, weil sie auf einer Party Alkohol an unter 21-Jährige ausgeschenkt haben. Jetzt sind sie auf Bewährung, müssen sich zwei Mal im Monat mit ihrem Bewährungshelfer treffen und gemeinnützige Arbeit leisten. Auf der anderen Seite war ich vor einer Woche in Bostons größtem Park und bin erst mal nichts ahnend in ein Marihuana-Festival reingelaufen, wo die Leute munter auf der Straß gekifft haben, so dass man allein vom rumlaufen hätte high werden können. Das Massachusetts Law ist nämlich was Gras betrifft sehr freizügig, man kann ohne große Probleme mit einer Unze erwischt werden. Das sind 28 Gramm. Auch nett: Eine den meisten gut bekannte rothaarige Freundin von mir wurde jetzt unter Terrorverdacht gestellt, weil auf ihrem Bankaccount Geld mit dem Verwendungszweck "Man man man" angekommen ist. Das Geld wurde dann erst mal eingefroren, weil das ja schon sehr verdächtig ist. Muss man einsehen.

Montag, 6. September 2010

Gameday

Samstag - der große Tag. Gameday. Ich mache einen Schritt auf die Straße und sehe erst mal nur Menschen in den gelben "Superfan"-T-Shirts. Ich selbst bin auch sehr schick in meinem - Größe XL, alles andere war ausverkauft.

 10 Uhr: Ich bin zum Tailgating verabredet. Tailgating heißt heutzutage Barbecue vor dem Spiel  inklusive Alkoholkonsum. Ursprünglich bedeutet es aber, dass die Leute auf dem Parkplatz vor dem Stadion ihren Kofferraum aufmachen, direkt an Ort und Stelle grillen und sich auf das Spiel freuen. Das sieht man auch: Die Alumni sind gekommen, sie bezahlen horrende Preise für einen Parkplatz. Und sie ziehen ihren Kindern minikleine Cheerleader-Uniformen oder Footballplayer-Hemden an.

 
Mit denen habe ich aber nichts zu tun, ich bin in die "Mods" eingeladen. Die "Mods" sind ein roter Bungalowpark und von einem hohen Zaun umgeben. Nur wer 21 ist darf hier wohnen und wer ein Mod hat, ist ziemlich cool. Denn hier finden die richtig wilden Partys statt. Ungefähr so wie die, von der ich im letzten Eintrag berichtet habe. Am Gameday muss man jedenfalls seinen Ausweis am Eingang der Mods zeigen, wer zu jung ist darf nicht rein. Deswegen sieht man auch immer mal ein paar Freshmen, die ihre Nase zwischen den Stahlpfeilern des Zauns hindurchstecken und davon träumen, auch bald da zu wohnen.

Ich  darf rein und befinde mich auf einer Art amerikanischen Ballermann. Überall zwischen den Bungalows läuft laute Musik, die Leute tanzen auf den Tischen und spielen Trinkspiele. Manche haben auch so einen Bauarbeiterhelm auf, an dem zwei Bierdosen befestigt sind. Mit Schläuchen zum Mund wird die konstante Alkoholversorgung gewährleistet.


13.30 Uhr: Das Spiel beginnt. Ich bin Teil einer riesigen Wand aus gelben T-Shirts. Die Marching Band spielt dramatische Musik. Marina (mein International Assistant) sagt, Football ist ein bisschen wie Krieg. Sieht auch sehr brutal aus, was die auf dem Spielfeld machen. Ständig fallen alle übereinander und es bilden sich Menschenhaufen. Ich weiß die Regeln nicht und kriege zunächst nicht einmal mit, wenn Boston College einen Punkt macht. Als ich dann aber irgendwann 27 Mal in die Luft geworfen werde, kenne ich zumindest den Punktestand unserer Mannschaft. Überhaupt war das Spiel selbst eigentlich ziemlich langweilig. Die gegnerische Mannschaft war hoffnungslos unterlegen. Und vier Stunden Spiel sind einfach ewig, vor allem wenn man stehen muss. Aufgelockert wird das Ganze dann von den Fangesängen, dem lustigen Plüschadlermaskottchen und den Cheerleadern. Ihre blitzweißen Zähne kann man bis ziemlich weit hinten sehen. Und je größer ihre Haarschleife ist, desto höher sind sie anscheinend in der Cheerleader-Hierarchie aufgestiegen.

Für das nächste Spiel werde ich jedenfalls die Regeln lernen, mir bequemere Schuhe anziehen und vor allem den Marsch der Footballer über den Campus nicht verpassen. Das soll nämlich ziemlich toll sein: Die Footballer schütteln Hände, geben Autogramme und küssen Babys auf die Stirn.

Freitag, 3. September 2010

"Wir feiern die ganze Nacht"? - Von wegen.

Wer sich hier überlegt, am Abend feiern zu gehen, sollte früh anfangen. Denn wie wir es in Deutschland gewohnt sind: 21 Uhr vorglühen, 23 Uhr auf die Party gehen, bis 3 oder 4 Uhr bleiben... so geht das hier nicht. Auf dem Campus gibt es nämlich so nette studentische Aufpasser, die sich RA's (Resident Advisors) nennen. Die bekommen ihr Wohnheimzimmer gratis und verpflichten sich im Gegenzug, auf ihrem Stockwerk oder im Bungalowpark für Recht und Ordnung zu sorgen. Dazu gehört: Leuten unter 21 den Alkohol wegzunehmen (und sie aufzuschreiben) und Partys genau dann zu beenden, wenn es am lustigsten ist. Das war zum Beispiel gestern so gegen 24 Uhr. Begründung: Zu laut, zu viele Leute. Partys (und das sind hier per Definition Veranstaltungen mit mehr als 25 Leuten) muss man nämlich eigentlich anmelden. Tja das hatten die Leute gestern jedenfalls nicht gemacht und so wars dann vorbei mit dem Spaß. Die Meute hat sich dann zerstreut und wir sind drei Bungalows weiter umgezogen und haben bei leiserer Musik und mit weniger Leuten noch ein bisschen gechillt. Bei der Gelegenheit hab ich dann auch eines der beliebtesten amerikanischen Trinkspiele kennen gelernt: Beer Pong. Zwei Mannschaften stehen sich gegenüber und versuchen einen Pingpongball in eine Ansammlung von mit Bier gefüllten Bechern auf der anderen Tischseite zu schmeißen. Wenn jemand trift, muss die andere Mannschaft den Becher austrinken. Da kann man sich denken, dass mitzunehmender Dauer des Spiels, die Wurfqualität immer schlechter wird. Ich hab mich lieber aufs zuschauen beschränkt. :)

Mittlerweile habe ich auch mein Football Season Ticket gekauft und ein Superfanshirt erworben (es ist schrecklich gelb und steht mir einfach mal gar nicht - Bilder folgen aber). Am Samstag ist es dann jedenfalls soweit: Das erste Spiel der Saison wird hier auf dem Campus im  Stadion ausgetragen. Was mir ein bisschen Angst macht: Wenn die Boston College Eagles einen Punkt kriegen, wird der/die kleinste in der Gruppe hochgeworfen. So oft, wie der Punkestand dann anzeigt. Und beim American Football fallen bekanntlich wesentlich mehr Tore als beim Fußball :-D Ich werde berichten, wenn ich das Hochwerfen und den fiesen Hurricaine heute Abend überlebe.