Montag, 6. September 2010

Gameday

Samstag - der große Tag. Gameday. Ich mache einen Schritt auf die Straße und sehe erst mal nur Menschen in den gelben "Superfan"-T-Shirts. Ich selbst bin auch sehr schick in meinem - Größe XL, alles andere war ausverkauft.

 10 Uhr: Ich bin zum Tailgating verabredet. Tailgating heißt heutzutage Barbecue vor dem Spiel  inklusive Alkoholkonsum. Ursprünglich bedeutet es aber, dass die Leute auf dem Parkplatz vor dem Stadion ihren Kofferraum aufmachen, direkt an Ort und Stelle grillen und sich auf das Spiel freuen. Das sieht man auch: Die Alumni sind gekommen, sie bezahlen horrende Preise für einen Parkplatz. Und sie ziehen ihren Kindern minikleine Cheerleader-Uniformen oder Footballplayer-Hemden an.

 
Mit denen habe ich aber nichts zu tun, ich bin in die "Mods" eingeladen. Die "Mods" sind ein roter Bungalowpark und von einem hohen Zaun umgeben. Nur wer 21 ist darf hier wohnen und wer ein Mod hat, ist ziemlich cool. Denn hier finden die richtig wilden Partys statt. Ungefähr so wie die, von der ich im letzten Eintrag berichtet habe. Am Gameday muss man jedenfalls seinen Ausweis am Eingang der Mods zeigen, wer zu jung ist darf nicht rein. Deswegen sieht man auch immer mal ein paar Freshmen, die ihre Nase zwischen den Stahlpfeilern des Zauns hindurchstecken und davon träumen, auch bald da zu wohnen.

Ich  darf rein und befinde mich auf einer Art amerikanischen Ballermann. Überall zwischen den Bungalows läuft laute Musik, die Leute tanzen auf den Tischen und spielen Trinkspiele. Manche haben auch so einen Bauarbeiterhelm auf, an dem zwei Bierdosen befestigt sind. Mit Schläuchen zum Mund wird die konstante Alkoholversorgung gewährleistet.


13.30 Uhr: Das Spiel beginnt. Ich bin Teil einer riesigen Wand aus gelben T-Shirts. Die Marching Band spielt dramatische Musik. Marina (mein International Assistant) sagt, Football ist ein bisschen wie Krieg. Sieht auch sehr brutal aus, was die auf dem Spielfeld machen. Ständig fallen alle übereinander und es bilden sich Menschenhaufen. Ich weiß die Regeln nicht und kriege zunächst nicht einmal mit, wenn Boston College einen Punkt macht. Als ich dann aber irgendwann 27 Mal in die Luft geworfen werde, kenne ich zumindest den Punktestand unserer Mannschaft. Überhaupt war das Spiel selbst eigentlich ziemlich langweilig. Die gegnerische Mannschaft war hoffnungslos unterlegen. Und vier Stunden Spiel sind einfach ewig, vor allem wenn man stehen muss. Aufgelockert wird das Ganze dann von den Fangesängen, dem lustigen Plüschadlermaskottchen und den Cheerleadern. Ihre blitzweißen Zähne kann man bis ziemlich weit hinten sehen. Und je größer ihre Haarschleife ist, desto höher sind sie anscheinend in der Cheerleader-Hierarchie aufgestiegen.

Für das nächste Spiel werde ich jedenfalls die Regeln lernen, mir bequemere Schuhe anziehen und vor allem den Marsch der Footballer über den Campus nicht verpassen. Das soll nämlich ziemlich toll sein: Die Footballer schütteln Hände, geben Autogramme und küssen Babys auf die Stirn.

1 Kommentar:

  1. ... aber nicht, dass Du dann von nem Footballer auf die Stirn geküsst wirst... :-P

    P.S.: Stell mal bitte ein, dass man die Kommentare auch anonym veröffentlichen kann, wie beim Tore

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